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18.11.2004:
Augen auf beim Einkauf

von TORSTEN METSCHER
Wäre es nicht schön, wenn es einen Fruchtsaft gäbe, der so genannte Allergien heilt, bei Herz-Kreislauf-Beschwerden hilft, ebenso bei Depressionen, Diabetes, Entzündungen, Arthritis, Rheuma, Erschöpfung und chronischer Müdigkeit, bei Stress, schlechter Konzentrationsfähigkeit und Krebs?
Glaubt man den Berichten auf diversen Internet-Seiten, so ist der NoniSaft dazu in der Lage.
Noni-Saft ist ein pasteurisiertes Fruchtsaftkonzentrat mit Bestandteilen der Pflanze Morinda citrifolia. Die »natürliche« Wunderwaffe, die bei fast allen Krankheiten helfen soll, wird 10 Minuten auf 63°C erhitzt.
»Dieser Baum kann viele der gesundheitlichen Probleme, gegen die wir heute noch kämpfen, lösen«, prophezeien amerikanische Wissenschaftler. Nachzulesen in »Heilwirkung der Morinda – Die Wunderfrucht aus der Südsee«, von Siegrid Hirsch. Die Wissenschaftler werden in diesem Buch leider nicht namentlich erwähnt. Dafür wird aber auch hier wieder das Problem der ausgelaugten Böden hervorgeholt. Die Autorin Hirsch erkennt zwar, dass den Vitalstoffen in der Ernährung eine Schlüsselrolle in Bezug auf unsere Gesundheit zukommt, aber sie empfiehlt dann als Lösung des Problems das erhitzte Teilnahrungsmittel Noni-Saft. Sie scheut sich nicht, in diesem Zusammenhang den griechischen Arzt Hippokrates (460–370 v.Chr.) zu zitieren: »Eure Nahrung soll Heilmittel sein, und eure Heilmittel sollen eure Nahrung sein!« An Noni-Saft hat der bedeutende Mann dabei sicher nicht gedacht!
Wissenschaftliche Belege für die so positiven Aussagen über Noni-Saft waren weder in diesem Buch noch in anderer Literatur oder im Internet zu finden.
Dr. Manfred Stein vom Europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften schreibt, dass die Bevölkerung Polynesiens die Nonifrucht wegen des seifigen Geruchs und fauligen Geschmacks nur während Hungersnöten konsumiere.
Ein weiteres Buch über den NoniSaft fand ich beim Einkaufen im Bioladen. Dr. Jürgen Weihofen beschreibt die Nonifrucht darin als Zauberfrucht aus der Südsee für Gesundheit und Lebensfreude. Herausgeber dieses Buches ist der Sanoform-Verlag aus Troisdorf. Um mehr über den Verlag herauszubekommen, folgte ich der dick gedruckten Aufforderung im Impressum, die Internetseite zu besuchen. Diese war aber gar nicht freigeschaltet!
Die Werbestrategien sind bei solchen Produkten immer gleich. Man nehme ein fernes Land (in diesem Fall Polynesien), berichte von angeblich uralten Traditionen und kröne das Ganze mit wundersamen Heilmitteln und Heilerfolgen der Medizinmänner und Heiler des jeweiligen Volkes.
Bei uns wird dann mit diesem »Stoff« und der Hoffnung und Angst der Menschen ein Milliardengeschäft gemacht.
Verwunderlich ist, dass Noni-Saft laut Entscheidung der Europäischen Kommission nur eine Zulassung als neuartige Lebensmittelzutat hat (ABI. Nr. L 144 vom 12. 6. 2003). Es handelt sich also weder um ein Medikament, noch konnte irgendeine Heilwirkung durch Noni-Saft nachgewiesen werden.
In den USA wurde der Firma Morinda Inc. schon im August 1998 von der U.S. Food and Drug Administration untersagt, mit den angeblichen Heilungserfolgen des Saftes zu werben, solange keine wissenschaftlichen Belege dafür vorliegen.
In Finnland wurde der Import, Export, die Lagerung und der Vertrieb der Firma Morinda Inc. nach Angaben des finnischen Ernährungsministeriums im November 1998 untersagt.
Selbst intensivste Recherche brachte nicht eine winzige wissenschaftliche Studie zu Tage.
Auffällig ist die aggressive Vertriebsstruktur der Firma. So finden sich unzählige Internetseiten mit Namen wie zum Beispiel, www.rettung-mit-noni.de, www.gesund-durch-noni.de oder www.noni-jungbrunnen.de.
Auf den Seiten werben so genannte Vitalberater um die Gunst der Verbraucher. Im Vordergrund steht dabei der Verkauf des Wunderfruchtsaftes.
Kein Wunder – laut einer Aussage auf der Seite www.noni-chance.de werden 53% (!) des Erlöses an die Distributoren (sprich: an die Vertriebsmitarbeiter) ausgeschüttet. Des Weiteren erfährt man, dass Provisionen bis in acht Ebenen ausgeschüttet werden. Man verdient also an jedem neu geworbenen Verkäufer kräftig mit.
Es wird suggeriert, mit Noni-Saft Millionär werden zu können.
Hier eine Passage von der Homepage www.gesund-durch-noni.de:
Was macht Ihrer Meinung nach die große Faszination dieser Geschäftsmöglichkeit aus?
- Die Möglichkeit, dass wirklich jeder in die finanzielle und berufliche Freiheit gelangen kann. Hier ist nicht entscheidend, ob Sie reich geboren sind, oder ob Sie schön oder nicht schön sind.
- Hier ist es auch egal, ob Sie jetzt ins Business kommen oder sich schon viele Jahre damit beschäftigen. Denken wir einfach an die Frauen, welche Möglichkeit diese hier haben, denn hier gibt es keine Diskriminierung, das wird wahrscheinlich auch der Grund sein, warum wir z.B. so viele tolle erfolgreiche Partnerinnen in unserem Team haben.
- Es wird aber wahrscheinlich doch der Hauptgrund sein, dass jeder die Möglichkeit hat, seinen TAHITIAN NONI-Lifestyle zu erreichen.
- Es ist doch so im Leben, Sie können entweder mit einer ca. 40 Stundenwoche im Monat 2000,– a verdienen oder Sie verbringen eine qualifizierte 20 Stundenwoche mit unserer Geschäftsmöglichkeit und verdienen monatlich 20000,– a oder mehr. Sie müssen Ihr Geschäft aber immer erst aufbauen.
- Niemand anderer wird das für Sie tun. Sie müssen daher bereit sein, Ihre Leistung einzubringen. Das finde ich absolut gerecht!
Geschrieben hat dies der »Erfolgs- und Vitalberater« Peter Conrad. In der E-Mail-Adresse sehe ich, dass Herr Conrads noch eine weitere Homepage betreibt: www.peterconrads.de.
Geht man auf diese Adresse, findet man allerdings nichts von Herrn Conrad, sondern liest den Lebenslauf einer gewissen Anke Golke: Erfolgsberaterin, allein erziehende Mutter und natürlich Vertreterin von Noni-Saft.
Ich schrieb Herrn Conrads und bat um wissenschaftliche Quellen, die die Wirksamkeit von Noni belegen. Außerdem bat ich um eine Stellungnahme bezüglich der Pasteurisierung des Noni-Saftes. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Die erwarteten Quellen nannte er allerdings nicht. Dafür bekam ich Auszüge aus dem oben zitierten Buch von Siegrid Hirsch.
Vier Flaschen Noni-Saft kosten übrigens 210,– Euro. Dieser Preis ist durch die horrenden Gewinnspannen im Vertrieb zu erklären, denn sonst könnten die vielen Vertriebsverkäufer ja nichts verdienen. Über das Internet hätte ich Noni ordern können. Laut telefonischer Auskunft aber auch über Reformhäuser, Bioläden und Apotheken – für einen Flaschenpreis von 50 – 70 Euro pro Liter.
Fazit: Augen auf beim Einkauf. Misstrauen Sie jedem Produkt, das Ihnen Heilung und Besserung zahlreicher Beschwerden in Aussicht stellt und dazu noch überteuert angeboten wird. So ein »Wundermittel« gibt es nicht.
Um Beschwerden zu lindern oder Heilung zu erreichen, müssen Sie die Krankheitsursachen meiden
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